Montag, 16. April 2018

Was ist eine Aktie wert?


Wie viel ist ein regelmäßiges Einkommen von 100 wert? Um das zu beurteilen, benötigt man einen passenden Vergleich. Die durchschnittliche Rendite aller Projekte, die die Menschheit je unternommen hat, liegt bei 7-8%. Dies entspricht historisch auch der Rendite, die man langfristig mit dem Kauf von Aktien oder Immobilien erzielen konnte. Also liegt der faire Wert bei  rund 13 mal 100 = 1.300. Damit beträgt meine "Dividendenrendite" 7,7% (100/1300).

Zahlen würde ich dagegen immer 30-50% weniger, um so eine Sicherheit zu haben, da es in der Wirklichkeit an der "Regelmäßigkeit" mangelt. Also nicht mehr als 1.000, das 10- fache des Einkommens. Der Kapitaleinsatz des Unternehmens (das Eigenkapital) beträgt nicht zufällig auch 1.300, da ja -wie gesagt - alle Projekte im Durchschnitt nur ca. 7-8% Rendite erzielen,  mithin auch die Investitionen in Betriebskapital (Anlage- und Umlaufvermögen minus aller Schulden). 

Wie viel ist Wachstum wert? Garnichts – so lange wie die Eigenkapitalrendite im Durchschnitt auch nur bei 7-8% liegt. Häufig wird der Fehler gemacht, stark wachsenden Unternehmen einen höheren Wert beizumessen, ohne darauf zu achten, wie viel Kapital für das Wachstum benötigt wird. In vielen Branchen werden höhere " Multiples" gezahlt, obwohl die Rendite deutlich niedriger als 7% ist. Beispiele hierfür sind Pharmaunternehmen, die bei immer geringeren Erfolgsaussichten immer mehr investieren müssen.  Oder ÖL-Fracker, die in der Summe bisher weniger erwirtschafteten als das eingesetzte Kapital, da nach 2 Jahren nur noch die Hälfte des Öls aus den Bohrlöchern fließt. Nur wenn das Unternehmen mit deutlich höherer Kapitalrendite wächst, ist es auch mehr als das 13- fache der Erlöse wert. 

Wie berechnet man möglichst einfach den fairen Wert? Die Eigenkapitalrendite ist das Nettoergebnis dividiert durch das Eigenkapital. Damit lässt sich ermitteln, wie viel investiert werden muss, um das Wachstum zu sichern und was als Dividende für den Investor bleibt. Schätzen muss man dann lediglich noch den Zeitraum für das "Überwachstum", denn langfristig kann ein Unternehmen nie schneller wachsen als der Markt. 

Als Beispiel möge hier FEDEX dienen, einem der weltweit größten Paketversender. Der Gewinn je Aktie wuchs in den letzten 5 Jahren um 12% von 8,4 auf 14,9 USD*. Steigert das Unternehmen den Gewinn je Aktie in den nächsten 7 Jahren** um 10% p.a., um danach nur noch mit dem Markt mitzuwachsen, dann wäre die Aktie in 7 Jahren bei einer Verdoppelung des Ergebnisses auf rund 30 USD das 13- fache davon wert - also 390 USD. Beim Wachstum muss man aber  -wie gesagt - den erforderlichen Kapitaleinsatz mit berücksichtigen. Ein Unternehmen kann immer nur in der Höhe der Eigenkapitalrendite wachsen, ohne fremde Mittel in Anspruch zu nehmen, die den Unternehmenswert mindern. Das Unternehmen hatte zuletzt eine Eigenkapitalrendite von 21%. Nimmt man für die Zukunft 20% an, könnte FEDEX doppelt so schnell wachsen wie angenommen (20% statt 10%). Die Hälfte des Gewinns kann also genutzt werden, um eine Dividende auszuschütten.  US- typisch beträgt die Dividendenrendite allerdings nur 0,8% (ca. 10% vom Nettogewinn). Der Rest kann dazu genutzt werden, vorhandene Schulden abzubauen (derzeit netto 15 Mrd. USD) oder, wie bisher praktiziert, eigene Aktien zurückzukaufen. Geht man vom Rückkauf eigener Aktien in Höhe von 40% vom Gewinn aus, dann erhöht sich der Gewinn je Aktie zusätzlich um den reduzierten Aktienbestand des Unternehmens.

Beim Rückkauf spielt die Höhe des Aktienkurses die entscheidende Rolle: ist er höher als der faire Preis wird Wert vernichtet, ist er niedriger wird zusätzlicher Wert generiert. Geht man davon aus, dass der Aktienpreis im Mittel das 15- fache des Gewinns je Aktie ist, dann würde sich die Aktienanzahl um 2,7% p.a. von derzeit 267 auf 220 Mio. Stück verringern. Der Gewinn wäre in ca. 7 Jahren 36,4 USD je Aktie (30*267/220). Der faire Wert der Aktie betrüge dann 473 USD - das 13- fache, da das Wachstum danach abfällt. Diskontiert man dies mit 7% p.a. ab, dann ergibt sich als fairer Wert heute ein Preis von 290 USD je Aktie;  beim Aktienkurs von 242 USD  ist die Aktie damit ca. 17% unterbewertet.

Wie berücksichtigt man jetzt die Schulden? Genauso wie bei Immobilien kann man die Eigenkapitalrendite steigern, indem man sich verschuldet, so lange die Zinskosten geringer sind als die Rendite. Allerdings erhöht sich damit auch das Risiko der Firma und die Sicherheitsmarge beim Kauf sollte höher sein. FEDEX hat mit netto 15 Mrd. USD eine recht hohe Verschuldungsrate in Höhe von 80% des Eigenkapitals; der Durchschnitt für die größten US- Unternehmen (S&P) liegt derzeit bei 60%. Die Gesellschaft war vor 5 Jahren mit einem Nettokassensaldo von 2 Mrd. USD schuldenfrei. Das Gewinnwachstum der letzten Jahre ist also mit netto 17 Mrd. USD erkauft worden. Die Eigenkapitalrendite lag im Durchschnitt der letzten 5 Jahre bei 15% und hätte damit zur Finanzierung des Gewinnwachstums je Aktie von 12% genügt. Allerdings sind in den letzten 5 Jahren für knapp 10 Mrd. USD und damit in erheblichem Umfang  eigene Aktien zurückgekauft worden. Ohne die Aktienrückkäufe läge das Gewinnwachstum nur bei 8% je Aktie.

Es zeigt sich, dass die hohe Schuldenaufnahme für die Aktienrückkäufe neben dem extra Schub an Wachstum von +4% auch die Kapitalrendite von 15% auf 21%  steigerten durch die Reduzierung des Eigenkapitals. Legt man jetzt die Eigenkapitalrendite von 15% zugrunde und schätzt man das Wachstum in den nächsten 7 Jahren auf nur noch 8%, dann ergibt sich in 7 Jahren (genauer 7,2 Jahren**) ein Gewinn je Aktie von 26 USD. Nimmt man wiederum an, dass 40% der (reduzierten) Gewinne in Aktienrückkäufe investiert werden, verringert sich die Aktienanzahl von 267 auf 223 Mio. – der Gewinn je Aktie erhöht sich damit auf 31 USD (26*267/223). Multipliziert man diesen wieder mit 13 und diskontiert man ihn auf den heutigen Tag mit 7% p.a. ab, ergibt sich ein Wert der Aktie von 248 – die Aktie ist damit heute fair bewertet.

Das Beispiel FEDEX zeigt, dass Wachstum Geld kostet. Immer häufiger finden die Investitionen aber außerhalb der Bilanz statt,  z.B. in Marketing- oder Entwicklungsaufwendungen, die direkt in den Aufwand eingehen und damit den Gewinn mindern. In der Wachstumsphase sind die Gewinne also zu niedrig und ein hohes Multiple (KGV) lasst damit keine Aussage über die  faire Bewertung der Firma zu. Man kann sich damit behelfen, dass man den Aufwand schätzt, der in das Wachstum fließt. Und den Gewinn je Aktie um diesen Aufwand nach Ablauf der geschätzten Wachstumsphase korrigiert. Beträgt der Gewinn heute z.B. 10 EUR je Aktie bei 30 EUR Ausgaben für Marketing- und Entwicklungsaufwendungen und nimmt man an, dass die Hälfte davon Zukunftsinvestitionen sind, dann springt der Gewinn je Aktie nach Ablauf der Wachstumsphase (z.B. nach einer Gewinnverdoppelung in 7 Jahren) von dann 20 EUR auf 50 EUR. Der faire Wert von 650 EUR je Aktie (50 mal 13) beträgt dann mit 7% abgezinst auf den heutigen Tag 400 EUR, was einem KGV von 40 entspricht.

Ein faires EBIT Multiple liegt bei europaweiten Steuerquote von ca. 30% bei 9 (13/0,7) und das EBITDA Multiple bei 8, wenn man die durchschnittlichen Abschreibungssätzen für Unternehmen von ca. 1,2% zugrunde legt. Dies gilt für alle Unternehmen, die nur mit dem Markt mit wachsen. Wir selber würden deutlich weniger zahlen, um eine entsprechende Sicherheitsmarge zu haben.


*Geschäftsjahresende ist Mai, also handelt es sich hier um eine aktuelle Schätzung. Die letzten veröffentlichten Zahlen sind die Neunmonatszahlen für Februar. Der Gewinn je Aktie ist nach Ausübung aller Aktienoptionen gerechnet.
**Wenn man wissen möchte, nach wie vielen Jahren sich der Gewinn bei einer bestimmten Verzinsungsrate verdoppelt, teilt man 72 einfach durch diesen Zinssatz. Hier z.B. 72/10=7,2 Jahre. Das nennt man "the rule of 72".

Donnerstag, 12. April 2018

Wie kam es zu der Gründung der BAVARIA?

Vor dem Erfolg steht der Misserfolg. Zwei Jahre hindurch habe ich vergeblich versucht, von zu Hause aus eine Firma zu kaufen. Davor hatte ich achtmal den Job gewechselt, die Hälfte davon nicht ganz freiwillig. Dabei war ich immer auf der Suche nach meinem Platz im Leben. Der erste Durchbruch kam mit 33 Jahren, nachdem ich das "Awaken the Giant within" von Tony Robbins gelesen hatte. Die dort dargestellte Technik des NLP (sich selbst auf Erfolg zu programmieren)  gab mir den Mut, mich gleich als Geschäftsführer bei einem IT Dienstleister zu bewerben, der 1998 den Börsengang plante. Obwohl ich weder Führungserfahrung hatte, noch jemals in meinem Leben befördert worden war. Die Euphorie des Börsenganges verflog nach kurzer Zeit wieder, zu mühsam waren die Integration und das Management der vielen Akquisitionen, die wir dann probierten. Nach dem Rausschmiss und dem weiteren Misserfolg in einer zweiten IT Firma dann der Versuch, ein eigenes Unternehmen (natürlich mit dem Geld anderer) zu kaufen. Die schmerzhafte Erfahrung, die viele machen, blieb mir dabei leider auch nicht erspart. Ohne sich mit einem richtigen Konzept und systematisch auf die Suche zu machen, reichen zwei Jahre in der Regel nicht, um eine Firma zu kaufen. Letztlich ist jeder Deal ein Spiel mit sehr geringer Abschlusswahrscheinlichkeit. 

Dann die Neuausrichtung: ich beschloss, mit Leuten zu sprechen, die tatsächlich ein eigenes Unternehmen erworben haben. Das führte zu einigen interessanten Telefonaten und Treffen mit ehemaligen Mitkommilitonen meiner alten Uni. Letztlich hatten die meisten mehr oder weniger Glück gehabt, indem ihnen zum Beispiel der eigene Arbeitgeber die Übernahme der Firma nahegelegt hatte. Nur einer zeichnete sich als Serienakquisiteur aus. Ich beschloss, mehr oder weniger unentgeltlich bei ihm anzuheuern. Dabei habe ich ihm prompt nach nur vier Monaten ein Unternehmen gekauft! Für einen Euro. Das war der Schlüssel zum Erfolg: nicht das profitable, fehlerfreie Unternehmen sondern die Krücke, die man loswerden will. 

Da für eine kleine, profitable Firma im Durchschnitt nicht mehr als das Achtfache des Nachsteuerergebnisses gezahlt wird, hat der Besitzer immer die Möglichkeit, mit dem Verkauf doch noch ein Jahr länger zu warten. Die Rendite auf das (nicht eingenommene) Kapital beträgt immerhin 13%. Immer noch attraktiver als die Festgeldanlage. Macht das Unternehmen dagegen Verluste und benötigt weiteres Geld, ist der Abgabedruck viel größer.  Hinzu kommt der "Schrottflintenansatz": nicht ein Unternehmen anschauen, sondern viele gleichzeitig. Systematisch einen möglichst großen "sales funnel" aufbauen und dann gnadenlos aussortieren; unverschämt niedrige Angebote mit zeitlicher Befristung versehen und nur hinfahren, wenn dann trotzdem noch ein Interesse an der Transaktion besteht. Ich überzeugte einen Freund mitzumachen. Im ersten Jahr unserer Tätigkeit gelang uns bereits der Erwerb von vier Unternehmen für einen Euro, im zweiten Jahr kamen vier weitere dazu! Mit der Zeit stellten sich dann erste Sanierungserfolge ein, auch wenn Pleiten natürlich nicht ausblieben...

Sonntag, 18. März 2018

Die Kunst des 1 Euro Deals...


Ein Unternehmen, das Verluste produziert, hat höchstens einen Optionswert. Als Teil eines Konzerns ist der Wert häufig negativ, da sich der Betriebsrat jeden Personalabbau teuer bezahlen lässt. Woran liegt das? In der Regel schließen Konzerne Gewinn- und Verlustverträge ("EAV") mit den Konzerntöchtern ab, die eine Verrechnung von Gewinnen mit Verlusten erlauben und die die kostengünstige Finanzierung auf der Holdingebene (etwa durch die Auslegung von Schuldscheinen =  "Bonds") erleichtern. Ein EAV erlaubt dabei keine Deckelung von Ansprüchen aus Verlustübernahmen, was die Verhandlung z.B. von maßvollen Abfindungen erschwert. Hinzu kommt, dass die Belegschaft öffentlich Druck aufbaut, sodass der Verkauf für einen Euro oftmals die kostengünstigste Variante für den Konzern ist. Wir schätzen, dass gut 20% aller Übernahmen für den symbolischen Euro erfolgen. Wir  selbst haben in den letzten 15 Jahren ca. 25 Unternehmen für einen mehr oder weniger symbolischen Kaufpreis erworben. 

Tritt man als Kaufinteressent auf (z.B. indem man durch passende Google Suchen wie "geplanter Personalabbau" auf die Gesellschaft aufmerksam geworden ist), besteht die eigentliche Herausforderung darin, den Konzern von der eigenen Seriosität zu überzeugen.  Der Konzern hat dabei - nicht ganz unberechtigt - Angst vor Nachforderungen, z.B. in Form von Gutachten, die die Notwendigkeit des Ausgleichs von vermeintlich höheren Verlusten der Vergangenheit belegen sollen. Diese Hürde lässt sich durch den gemeinsamen Auftritt mit Branchenexperten, durch die Erstellung von glaubhaften Sanierungsplänen oder durch Referenzen überwinden. Zusätzlich gilt, dass jedes Problem, das man akzeptiert,  Teil des Kaufpreises wird (z.B. bei einem unangemessen hohen Personalstand oder bei Eventualverbindlichkeiten, die man übernimmt).


Die Due Diligence hilft, die eigene Seriosität zu unterstreichen ohne es dabei aber dem Verkäufer zu schwer zu machen (d.h. 10 gezielte Fragen statt 100). Jedes Problem dient dabei als Argument, den Kaufpreis zu verringern, statt den Deal abzusagen! Die Due Diligence (Managementpräsentation, Vor-Ort-Besichtigung und Besuch des elektronischen Datenraums) sollte sich hauptsächlich mit dem Auftragsbestand, den künftigen Einnahmen daraus und dem zukünftigen Cash Flow befassen. Auch um mehr Munition für den Business Plan zu sammeln und um diesen glaubhafter vertreten zu können. Eine Prüfung z.B. der Chain of Titles ist dagegen in der Regel bei Konzernen überflüssig. Die Betrugswahrscheinlichkeit ist übrigens bei sanierungsreifen Firmen deutlich höher als bei gesunden Unternehmen. Wir haben beim Kauf aus privater Hand oder von selber verlustmachenden Konzernen eher schlechte Erfahrungen gesammelt. Eine Verschleppung der Insolvenz oder das "Verschwindenlassen" von Rechnungen in der Schublade sind für den eigentümergeführten Betrieb in der Krise eine große Versuchung. Mehr dazu unter 
"Wie kaufe ich meine erste Firma".

Montag, 12. März 2018

Welche Aktie ist attraktiver?

Die wichtigsten Kennzahlen der Unternehmen A und B im Vergleich:

Aktie A Aktie B
P/E  (Last 12 M=LTM) 26 31
TEV/EBIT (LTM) 19 22
Net Income Margin 9% 24%
Return on Assets (ROA) 3% 13%
Return on Equity (ROE) 13% 17%
Sales Growth last 5 years 3% 19%

Wenn man die beiden Unternehmen vergleicht fällt auf, dass die Firma A trotz des geringen Wachstums der letzten 5 Jahre mit 26 ein recht hohes Multiple aufweist. Die Firma B dagegen wächst stark (fast 20% in den letzten 5 Jahren), ist sehr profitabel und nur geringfügig teurer als A.  

Der Verschuldungsgrad und der Wertzuwachs der letzten 5 Jahre:

     Aktie A Aktie B
Net Debt/Equity 63% -64%
Dividend Yield 1,8%    0%
Book Value growth last 5 years 5%   17%
EPS Growth last 5 years 4%
  17%


Die Firma A weist einen gerade noch akzeptablen Verschuldungsgrad von 63% vom Eigenkapital aus - die Firma B hat einen hohen Nettokassensaldo. Würde sich die Firma B in der gleichen Höhe verschulden wie A, sänke der KGV (PE) auf rund 23 - weniger als A! Beim Buchwert und Gewinnwachstum liegt die Aktie B mit 17% vorn, auch wenn keine Dividenden gezahlt werden trotz der hohen Cash Bestände. Langfristig entsprechen das Wachstum von Buchwert und Gewinn je Aktie (Earning per Share=EPS) der Eigenkapitalrendite (ROE), wenn die Verschuldung gleich bleibt und die Gewinne vollständig reinvestiert werden. 

Die Aktie A ist der S&P 500, der gewichtete Durchschnitt (auf Basis der Marktkapitalisierung) der 500 größten US Unternehmen ("SPY"), die Aktie B ist Alphabet ("Google"), bereinigt um die Verluste aus "Other Bets" von ca. USD 3 Mrd. und die außerordentliche Steuerbelastung in 2017 aufgrund der jüngsten US-Steuerreform. Der Vergleich zeigt, dass ein ETF, der z.B. den S&P 500 trackt, nicht immer die bessere Wahl ist, speziell wenn er sich historisch auf dem Höchststand befindet. Wir sind gegenwärtig SPY short (wenn auch in geringem Umfang) und Alphabet long.

Dienstag, 6. März 2018

In Indien Aktien kaufen?

Indien hat China als Wachstumsmotor überholt. Während die chinesische Wirtschaft in den nächsten 10 Jahren real wohl nur noch um 3,5% wachsen wird, werden für Indien 6% erwartet. Wie kann man als Investor daran teilhaben? Die auf der Kotak Investorenkonferenz letzte Woche vertretenden Firmen wachsen in der Regel stark und weisen zugleich eine hohe Profitabilität auf. Die Regierung Modi hat viele richtige Dinge angestoßen: die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, Personalausweise für alle Inder, die Abschaffung von Handelsbarrieren im Inland und die Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer. All dies schafft mehr Transparenz und verringert die Transaktionskosten z.B. in der Logistik und im Kreditwesen. Entsprechend boomen die Bautätigkeit und die Kreditvergabe. Allerdings hinkt die Infrastruktur hoffnungslos hinterher: es dauert Jahre bis die notwendigen Grundstücke z.B. für den Straßenbau erworben werden können. Kleine Landbesitzer und winzige Läden (davon gibt es über 1 Mio.) werden nach wie vor durch anachronistische Gesetze geschützt, die die Modernisierung des Landes beschränken. Einzelhandelsketten können nur schwer expandieren, dafür wächst der E-Commerce sehr stark, da es hier weniger physische und gesetzliche Barrieren gibt. 

Wir glauben, dass z.B. Banken und sogenannte Non-Banks am schnellsten und nachhaltigsten von dem Wachstum profitieren können. Die Kreditvergabe z.B. in Form von Handels- und Baufinanzierungen sowie Kreditkarten wächst über 20% p.a. Die großen Staatsbanken sind hoffnungslos überschuldet (durch Friends und Family Kreditvergaben), Nichtbanken dagegen sind gut finanziert (Eigenkapitalquote von 20% sind die Regel) und können entsprechend schnell wachsen. Auch die Quote der faulen Kredite ist sehr niedrig (unter 1%) bei den Nichtbanken, wie z.B. Bijay Finance, Piramal oder Shriram Finance. Die Eigenkapitalrenditen liegen aufgrund der hohen Zinsspannen bei über 20%. Leider sind auch die Bewertungen entsprechend hoch. Über 4x Buch sind die Regel. Wir denken, dass von den 5.700 börsennotierten Unternehmen viele interessant sind. Corporate Governance ist genau wie in China ein hohes Risiko, möglicherweise weisen ein Drittel der börsennotierten Gesellschaften hier Unregelmäßigkeiten auf. Eine Due Diligence ist also unerlässlich: ein Indiz können hier die Geschäftspartner sein (betreuende Investmentbank, Anwälte und Wirtschaftsprüfer). Neben den seriösen Investmentbanken wie Kotak gibt es auch eine ganze Reihe von unseriösen Listingpartnern. Der Vorteil im Vergleich zu China ist jedenfalls, dass die Geschäftssprache Englisch ist und man die Jahresabschlüsse selber prüfen kann.    

    

Mittwoch, 7. Februar 2018

Was waren unsere größten Wertpapierpositionen in 2017 und wie haben wir damit abgeschnitten?

Auch in 2017 übertraf die Wertentwicklung unseres Wertpapierportfolios den DAX, unser Benchmark. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass wir Ende des Jahres nur zu ca EUR 142 Mio. in Aktien investiert waren - bezogen auf unsere freien Mittel eine Investitionsquote von knapp über 40%. Während der DAX in 2017 um 11,1% gestiegen ist, betrug der Wertanstieg unseres Portfolios insgesamt 15,8%. Und das, obwohl wir Anfang 2017 nur zu ca. EUR 70 Mio. in Aktien investiert waren. Unsere sechs größten Positionen haben einen Anteil von 55% an unserm Gesamtportfolio. 
Die Wertsteigerung unserer 6 größten Positionen machen dabei 17,4% aus und stiegen damit etwas stärker als unser Gesamtportfolio. Ryman Healthcare kam als Investition erst im Oktober hinzu, auch das Japanportfolio (siehe Blog "Outperformance mit Aktien erzielen") haben wir im Laufe von 2017 rund verdoppelt - damit war die durchschnittliche Investitionsdauer hier deutlich unter einem Jahr.



Ryman Healthcare und Summerset Group Holdings (in die wir Ende des Jahres zu rund EUR 7,7 Mio. investiert waren) sind zwei Altenheimbetreiber aus Neuseeland. Das Geschäftsmodell zeichnet sich durch hohe Zuwachsraten im Buchwert aus (20% p.a.) bei einer Dividendenrendite von ca. 1,5%. Kapitalerhöhungen sind keine notwendig und der Verschuldungsgrad ist gering. Ermöglicht wird dies durch die Generierung von Float, der mittlerweile fast die Höhe des Eigenkapitals erreicht hat. Dieser entsteht dadurch, das ein Nutzungsrecht für die Wohnungen verkauft wird. Die Pensionäre haben den Vorteil, das sie nahtlos vom unbetreuten Wohnen bis hin zu einer Intensivbetreuung im Demenzfall alle Leistungen in den Wohndörfern erhalten. Da die Dörfer den Pensionären viel bieten in Form von Veranstaltungen und verschiedenen Restaurantangeboten ist die Kundenzufriedenheit groß - die Wartezeiten sind entsprechend lang. Der Altenheimbetreiber kann die Wohnrechte nach sieben Jahren erneut verkaufen und profitiert zu dem von der in der Zwischenzeit eingetretenen Wertsteigerung der Immobilien. Der Anteil der Bevölkerung über 75, die den Großteil der Bewohner ausmachen, wird sich in den kommenden Jahren verdoppeln. Das Angebot an Wohndörfern bleibt knapp, obwohl beide Anbieter neue Dörfer bauen (Ryman sogar in Australien) und sich entsprechende Grundstücke für die nächsten 5 Jahren bereits gesichert haben. Wir halten ein solches Engagement für wesentlich leichter zu beurteilen, als beispielsweise die Frage, ob in 10 Jahren noch Autos mit Verbrennungsmotor verkauft werden und die deutschen Automobilbauer in dieser Form und Größe noch existieren werden. 

Dienstag, 16. Januar 2018

15 Jahre BAVARIA - was haben wir mit den einzelnen Übernahmen verdient?

Mit unseren zwei besten Transaktionen K+S und Tristone haben wir rund EUR 350 Mio. verdient, mit weiteren elf haben wir jeweils im Durchschnitt rund EUR 10 Mio. netto eingenommen, wenn man den geschätzten Wert von drei bisher nicht veräußerter Gesellschaften hinzurechnet. Insgesamt hatten wir zwei Verlustbringer aus den Bereichen Automotive und Anlagenbau mit denen wir ca. EUR 15 Mio. verloren haben. Die weiteren 20 Übernahmen deckten nur die Kosten unserer Holding ab und waren damit mehr oder weniger Geldtauschgeschäfte. Diese Verteilung gleicht dem Venture Capital Geschäft, wo ein "Homerun", viele Abschreibungen oder Geringverdiener ausgleichen muß. 
Unsere erfolgreichen Übernahmen stammen überwiegend aus den Branchen Anlagenbau und Automotive. Unsere Ausflügen in den Einzelhandel (Küchenmöbel und Mode), Verpackungen, Auftragsfertigung (Telekom, Pharma) waren nicht vom Erfolg gekrönt. Wahrscheinlich bestimmen unsere Erfolge auch unser Investitionsverhalten: wir sind mutiger, wenn wir in einer Branche gute Erfahrungen machten. Allerdings spielt der Zufall sicherlich wohl auch eine Rolle.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Wie Denkhilfen das Leben erleichtern...

Wir sind genetisch dazu programmiert, uns Sorgen zu machen. Alle unsere Vorfahren, die sich in der Vergangenheit keine Sorgen gemacht haben, sind aus dem Genpool verschwunden. Ein Menschenleben dient nur dazu, Gene zu übertragen - glücklich sein,  ist nicht wichtig zum Überleben! Heute gibt es objektiv eigentlich keine Gefahren mehr, trotzdem nimmt die Sorge um belanglose Dinge für uns den gleichen Raum ein, wie früher die existentiellen Probleme. Jeden Tag sorgen wir uns über drei Dinge, die wir nach zwei Tagen komplett vergessen haben, dafür sind drei andere Sachen an deren Stelle gerückt. Es hilft, für jedes auftauchende Problem eine finanzielle "Rückstellung" zu bilden. Dazu sich jeden Tag wie die Stoiker vorzustellen, dass alles viel schlimmer sein könnte und das wir bald sowie so alle tot sein werden...
Die Erkenntnis, dass das Leben ungerecht ist, schützt vor Enttäuschungen, sollte aber nicht von der Verpflichtung entbinden, selber möglichst gerecht zu handeln. Aber die Erwartung, dass es immer gerecht zugeht, verdammt einem zum Unglücklichsein!
Die Vorstellung einer "Eskalationsleiter" dient dazu, nicht gleich im Affekt mit dem Schlimmsten zu drohen, wenn man auf Probleme stößt oder böse Emails erhält. Stattdessen sollte man die Sache schrittweise eskalieren, statt gleich mit einem Rechtsstreit zu drohen. So lässt sich z.B. eine völlig überzogene Rechnung unter Umständen mit der Bitte um die Dokumentation der erbrachten Leistungen aus der Welt räumen. 
Zu schwierig zu beurteilen - dies Urteil gilt für die meisten Investitionsvorhaben und ist sehr nützlich, um die eigene Zeit sinnvoll zu verwalten. So sollte man sich in der Analyse auf Dinge konzentrieren, die man wirklich verstehen kann. Die meisten Aktien, z.B. fast alle Immobilien- oder Pharmatitel oder die meisten Industriekonzerne fallen für uns in diese Schublade "zu schwierig".
Das Problem der "Verankerung" vermeiden: Aktienkurse oder Wertvorstellungen von Verkäufern sollte man erst zur Kenntnis nehmen, nachdem man sich ein eigenes Werturteil gebildet hat. Sonst orientiert man sich am falschen Maßstab. Auch sollte man sich beim jedem Investment vorrangig mit dem Downside beschäftigen, sonst richtet sich der eigene Analysefokus nur auf die Upsides. Verbringt man die ganze Zeit damit, sich nur fortzustellen, was gut laufen kann, fallen einem zum Schluß zu den Risiken nur noch Floskeln ein.

Montag, 11. Dezember 2017

Wenn etwas umsonst ist, bist Du die Ware!

Die Google Suche ist so bequem und jeder bekommt “seine” Suchergebnisse. Das heißt, das gleiche Suchwort führt je nach Nutzer zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. So filtern Google und auch Facebook das Leben für uns auf Basis unserer Internethistorie und unserer Vorlieben (“likes”). Vorurteile, die man hat, werden bestätigt. Andere Meinungen lernt man gar nicht mehr kennen. Das Ergebnis ist, dass jeder immer mehr polarisiert wird. So finden Trumpfreunde und -gegner ihre Bestätigung in jeder Begegnung im Internet. Dadurch findet kein Dialog mehr statt, der die Grundbedingung für ein funktionierendes Gemeinwesen ist. 

Auch richtiges Erkennen nimmt ab, man lernt nur dann etwas, wenn man auf Widersprüche in der Wahrnehmung trifft. Diese zwingen einen dazu, kritisch eigene Glaubenssätze in Frage zu stellen. Lernen findet ohne diese Dissonanzen weniger statt. Vermeintliche eigene Willensbildung wird immer mehr durch Algorithmen ersetzt, die auf Grund der eigenen „Clickhistorie“, die meistbietend in Sekundenbruchteilen versteigert wird, uns mundgerecht Meinungen und Werbungen serviert. Bucht man z.B. die Reise auf dem Portal nicht, wird die Suche an Clickaggregatoren (wie z.B. Acxiom oder Criteo) weiterverkauft. Kauf- und Wahlentscheidungen werden clever durch “
Nudging” bestimmt. Das heißt, man wird schrittweise ganz allmählich an eine Entscheidung oder politische Einstellung gewöhnt. Wie das geht, zeigt Caldini in seinem sehr empfehlenswerten Buch, "The pychology of persuasion, am Beispiel amerikanischer Kriegsgefangener in Vietnam. 

Das heißt zum Beispiel in den Philippinen, dass es dort mittlerweile kein Tabu mehr ist, bestimmte Personen zu töten. Für die Mehrheit der Bürger ist es in Ordnung, wenn Drogenverdächtige auf der offenen Straße erschossen werden (in den letzten 12 Monaten mehr als 
10.000) oder der Staatspräsident Duterte sich mit den eigenen Morden im Fernsehen brüstet. Duterte hat wahrscheinlich die Wahl durch die clevere Nutzung von Facebook gewonnen. Er ist durch Vertreter von Facebook selbst in die Nutzung eingeführt worden, die dadurch mehr Werbegeld verdienen wollten. So wird es in den US immer mehr ok, seinen Reichtum ungeniert und auf Kosten zukünftiger Generationen zu steigern, z.B. durch Steuersenkungen für Mehrverdiener und Steuerfreiheit von Schachtelunternehmen, die nicht gegenfinanziert sind. Die zu erwartende Inflation wird hauptsächlich die Geringverdiener treffen.  

Was kann man dagegen tun? Anonyme Browser nutzen (Brave). Zeitungen lesen, die auch andere Meinungen zu Wort kommen lassen. Nicht einfach einer Mehrheitsmeinung beipflichten, sondern für die andere Seite argumentieren (als “devils advocat”). Versuchen, die Dinge aus der Perspektive des Anderen zu sehen. Als Investor ist man ohnehin dazu gezwungen, da mit Mehrheitsmeinungen und einem zu starken Sicherheitsgefühl kein Geld zu verdienen ist.

Freitag, 8. Dezember 2017

Schuster bleib bei Deinen Leisten...

"If you do not know the fool in the transaction it is possible you." Unser Leitmotiv. Vor kurzem wurde uns zum Beispiel ein Investment in Fracking- Bohrungen in den USA angeboten mit einer möglichen Rendite von über 30%. Das Vorhaben als solches klingt gut: der Mehrheitspartner ist ein erfahrenes US Fracking- Unternehmen. Bohrungen in der Nachbarschaft erzielen selbst bei einem Ölpreis von USD 50 je Barrel eine hohe Rendite. Alle erforderlichen Serviceleistungen wie das Management, der Kauf der Zusatzstoffe, die Bohrung, das Handling sowie der Transport lassen sich zukaufen. Dabei hat man die Wahl, diese im Spotmarkt einzukaufen oder längerfristige Vertragsbeziehungen einzugehen. Das meiste Öl fließt in den ersten 2 Jahren. Der Abgabepreis in den USA liegt allerdings deutlich unter dem internationalen: gegenwärtig beträgt der Abschlag rund 7 USD je Barrel. Bohrkosten je Loch ca. 2,5 Mio. Dollar. Der Bekannte wollte eine „Carry“ von EUR 2 Mio. für unser EUR 5 Mio. Investment, natürlich sofort zahlbar. Dies wäre bei einem solchen Vorhaben üblich, in den US gibt es einen gut entwickelten Markt für diese Sekundärinvestitionen.

Abgesehen von der Unmöglichkeit, den Ölpreis vorherzusagen, spricht gegen ein solches Investment Folgendes: welche Profis sind vorher schon involviert und verdienen mit bzw. haben ein Engagement abgelehnt, bevor das Angebot uns erreicht?

Ähnliches gilt aus unserer Sicht für Investitionen in deutsche Start-ups oder Immobilienprojekte. Alles was auf unserm Tisch  als Branchenfremder landet, haben die professionellen Investoren bereits abgelehnt. Ist das Vorhaben selbst ein "No-Brainer", werden wir wohl nicht gefragt und erhalten auch keinen Investorenpitch per E-Mail! 

Wie investieren wir momentan unser Geld?

Gegenwärtig sind 40% unserer freien Mittel in Aktien investiert, den Rest halten wir mangels Kaufgelegenheiten in bar. Da die Aktienkurse seit unserm Tristone- Verkauf im März stärker gestiegen sind, ist uns damit eine nicht unbedeutende Rendite entgangen. Umgekehrt bewahren wir uns durch die freien Mittel die Option, auf passende Kaufgelegenheiten sofort reagieren zu können.  Wie ein Krokodil im Sumpf warten wir auf die passende Gelegenheit zum Zuschnappen.

Leider schwimmt nur sehr selten etwas vorbei. Mit dieser Strategie haben wir zwar in den letzten Jahren eine Rendite von 21% p.a. erwirtschaftet.  Allerdings erfordert diese Strategie viel Geduld und die Fähigkeit zum Nichtstun. Wir sehen uns dabei als ein Investor, der darauf bedacht ist, sein Verlustrisiko zu minimieren. Auch dürfen wir uns durch ein Gefühl des Verpassens nicht dazu verleiten  lassen, auf den ständig steigenden Aktienmarkt mit Verspätung doch noch aufzuspringen.

Was machen wir stattdessen?

Wir lesen sehr viel und recherchieren eine Vielzahl von Unternehmen, stellen dann aber in der Regel fest, dass ein Unternehmen fair oder möglicherweise zu hoch bewertet ist. Oder noch häufiger, dass wir keine Ahnung davon haben, wie das Unternehmen wirklich sein Geld verdient und wie die Wettbewerbsdynamik in der Zukunft sein wird.

In den Engagements, die wir dieses Jahr eingegangen sind, haben wir uns eher an Infrastruktur nahe Unternehmen gehalten, die wohl noch in 10 Jahren existieren und dann wahrscheinlich höhere Gewinne erwirtschaften werden als im Augenblick. Dazu gehören z.B. Ryman Healthcare, Engelberg Titlis, Global Dream Reit und Eurokai.

Was ist eine Aktie wert?

Wie viel ist ein regelmäßiges Einkommen von 100 wert? Um das zu beurteilen, benötigt man einen passenden Vergleich. Die durchschnittliche...